Wir haben uns heute versammelt, um auf Einladung von Wolfgang Schultze seinen 90. Geburtstag zu feiern.
Zunächst möchte ich meinen persönlichen Glückwunsch mit dem Hinweis beginnen, dass ich mich freue, dass Wolfgang trotz einiger altersbedingter Maleschen geistig fit und interessiert ist.
Mich verbinden mit ihm zwei Dinge, die unsere jahrzehntelange Verbindung kennzeichnen. Wir sind beide in der gleichen Zeit Abgeordnete des Niedersächsischen Landtages von 1974 bis 2003 gewesen. Viele gemeinsame, und d. h. angenehme und unangenehme Erinnerungen haben wir geteilt, z. B. Auch die katastrophale Ministerpräsidentenwahl 1974 und die herrliche Ministerpräsidentenwahl 1990.
Und wir haben eine gemeinsame Erinnerung an den Kreis Salzwedel in der Altmark, in der Wolfgang in Kakerbeck bis zu seinem Weggang zwei Jahre gelebt hat. Ich habe in Tangeln im Kreis Salzwedel bis zu meinem Abitur 1958 gelebt und bin einige Wochen danach in den Westen geflohen, weil man mich nicht studieren lassen wollte.
So haben wir neben den politischen Themen auch immer altmärkische Erinnerungen parat gehabt.
Wolfgang Schultze absolvierte nach dem Besuch der Volksschule von 1951 bis 1954 eine Lehre als Werkzeugmacher bei der Firma Pelikan und trat mit Beginn seiner Ausbildung in die Industriegewerkschaft Chemie-Papier-Keramik ein.
Die Arbeit in der Gewerkschaft bestimmte sein ganzes zukünftiges Leben.
Denn er wechselte bald 1958 in den DGB Hannover und arbeitete als Jugendsekretär im damaligen Kreis Hannover und Springe. 1959 ging er als Jugendsekretär zur IG Chemie- Papier-Keramik und arbeitete dort bis 1972 als Sekretär für den Bezirk Niedersachsen.
Zwischen 1972 und 1980 war Schultze hauptamtliches DGB-Vorstandsmitglied im Landesbezirk Niedersachsen-Bremen und war in dieser Funktion maßgeblich der Entwicklung und Verabschiedung des Niedersächsischen Gesetzes über den Bildungsurlaub für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Niedersachsen beteiligt.
Dieses Gesetz war ein Vorbild für manche Initiativen in anderen Bundesländern.
Schultze war von 1962 an Mitglied im Vorstand der gewerkschaftlichen Bildungsvereinigung „Arbeit und Leben" Niedersachsen und von 1972-1982 deren Vorsitzender. Damit war er auch gleichzeitig im Bundesvorstand.
Neben der politischen Erwachsenenbildung war ein weiterer Schwerpunkt seines Engagements die Förderung der Kooperation Hochschule-Gewerkschaft. In dieser Funktion war er maßgeblich beteiligt an der 1. bundesdeutschen Kooperation zwischen einer deutschen Universität, in diesem Falle der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg, mit dem DGB Niedersachsen und „Arbeit und Leben" Niedersachsen.
Schultze fungierte als stellvertretender Bundes-Vorsitzender der IG Chemie-Papier Keramik.
Nach der Wiedervereinigung war er maßgeblich an der Gründung von demokratischen Gewerkschaftsorganisationen in den neuen Bundesländern beteiligt.
Er betrieb die Fusionsverhandlungen der IG Chemie-Papier-Keramik und der Gewerkschaft Leder zur IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) mit Sitz in Hannover.
Er engagierte sich bei der Vorbereitung und Durchführung der EXPO 2000 Hannover.
1996 trat er in den Vorstand der Preussag AG in Hannover ein, übernahm das Ressort Personal und Recht.
Bis 2002 war er dort als Arbeitsdirektor tätig und bekräftigte die Entwicklung zum führenden deutschen Touristikunternehmen (TUI).
Wolfgang Schultze ist seit 1955 Mitglied der SPD und war, wie schon erwähnt, von 1974 bis 2003 Mitglied des Niedersächsischen Landtages und Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschaft und Verkehr.
Es ist fast unglaublich, in wie vielen ehrenamtlichen Gremien er seinen Einfluss geltend machte und tätig war.
Es wäre zu viel, alle auszubreiten. Deshalb erwähne ich nur einige:
Wolfgang Schultze wurde vielfach ausgezeichnet. Das noch einmal lobend zu erwähnen muss er jetzt aushalten:
Wolfgang Schultze hat anlässlich seines 65. Geburtstages mit seiner Frau die Wolfgang- Schultze-Stiftung gegründet.
Er hat dazu ausgeführt:
Ich fühlte mich verpflichtet gegenüber unserer Gesellschaft, da ich viel Glück in meinem Leben gehabt hatte. Mein Motto, das mich antrieb, war, ich wollte etwas zurückzahlen. Wie sich eine Gesellschaft aufstellt, ob sie solidarisch und sozial gerecht ist, hängt immer auch von ihren Bürgern ab. Ohne ihr Engagement sind Gesellschaften ärmer...
Die Stiftung will mit ihrer Arbeit dazu beitragen, sie sozialen Grundstrukturen unserer Gesellschaft zu sichern und dabei verständlich zu machen, dass Reformen der Sozialsysteme unabdingbar sind, um die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, ohne dass dabei die Demokratiesubstanz und die Verantwortung für die Schwächeren in unserer verlorengeht".
Es ist erstaunlich, wie stark sich Wolf gang Schultze ohne Unterbrechung sein ganzes Leben für andere eingesetzt hat.
Sein spezifischer Blick, der immer auch den ökonomischen Aspekt jeder sozialen Initiative betraf, hat schließlich dazu geführt, dass Tausende von jungen Menschen auch von seinem Geld bzw. den Zinsen seines Geldes bis heute hin profitieren.
Deswegen finde ich es großartig, dass er uns heute zu seiner Geburtstagsfeier eingeladen hat, damit wir uns alle daran erinnern.
Nochmals: Dank und Anerkennung!!!!
Hannover, 29.03.2026